Abfindung: Der Fall eines Mandanten
Weniger arbeiten, mehr Geld
Abfindung: Der Fall eines Mandanten
Ausgangssituation
Familienvater, Mitte 50, gutes Gehalt
Angebot zur Abfindung: 12 Monatsgehälter zum Jahresende + 1 Monatsgehalt für jeden Monat der früher gegangen wird
Plan Mandant: Abfindung nehmen und direkt in einem neuen, ruhigeren Job mit ca. 20% Gehaltsreduktion weiterarbeiten
Aussage vom Steuerberater: ist egal, ob er Fünftelregelung anwendet oder nicht - Steuerlast ist ähnlich.
Erkenntnisse in der gemeinsamen Arbeit
Die Motivation, sich direkt in den nächsten Job zu stürzen, basierte auf gefühlten finanziellen Engpässen. Die Klarheit zur eigenen finanziellen Situation nahm Druck vom Kessel.
Zu Hause waren alle Beteiligte im roten Bereich. Beide berufstätig, teilweise gesundheitlich angeschlagen, zwei Pubertiere im Vollbesitz ihrer Kräfte ... Freie Zeit, um sich wieder um die wichtigen Dinge neben dem Job zu kümmern, klang verlockend, aber finanziell nicht darstellbar.
Die intelligente Nutzung der Fünftelregelung kann in dieser Konstellation ein krasser Hebel sein.
Der neue Plan des Mandanten
Den neuen Job eintüten mit Arbeitsbeginn am 01.01.2027.
Die Abfindung so früh wie möglich nehmen.
Sein zu versteuerndes Einkommen etwas drücken, die Steuererklärung getrennt abgeben und die Steuerlast auf die Abfindung massiv reduzieren.
Im Ergebnis: per 31.12.2026 hat er netto 15 T€ weniger in der Tasche, dafür muss er den Rest des Jahres nicht mehr arbeiten.
Zudem hat er jetzt Zeit, seinen "Eichhörnchenansatz (~ ganz viele verschiedene Spartöpfe, aber keinen Überblick)" bei den Finanzen einmal komplett aufzuräumen und die finanziellen Mittel sichtbar zu machen. Außerdem werden seine MLP/Tecis/AWD/DVAG-Verträge auf den Prüfstand gestellt und ausgemistet.
Die Fünftelregelung und der Hebel darin
Die Logik ist einfach (Zahlen der Einfachheit stark gerundet). Jemand verdient im Jahr 100 T€, dann bezahlt er darauf 30 T€ Steuer. Jetzt erhält er 100 T€ Abfindung. Dann wird geschaut, welche zusätzliche Steuerlast 1/5 der Abfindung auslöst. In unserem Fall 40% (weil ihn die 100T€ Gehalt in der Steuerkurve nach oben schieben) auf 20 T€, also 8 T€. Diese Steuerlast wird x5 genommen und man landet bei 40 T€ Steuer. Mancher wird sich wundern und sagen: "Hähh, da hätte ich doch gleich 40% auf die 100 T€ Abfindung zahlen können?". Exakt, das war auch die Aussage des Steuerberaters (siehe oben).
Nehmen wir einmal an, dass die Person nicht 100T€ verdient, sondern 0 €. Jetzt 1/5 der Abfindung = 20 T€ obendrauf. Die Steuerlast darauf ist relativ gering (da wir in der Steuerkurve unten starten), ca. 1.500 €. Das jetzt x5, dann sind wir bei 7.500 € Steuer auf 100 T€ Abfindung. Geschmeidige 32.500 € Unterschied!
Die Sprinter-/Turboprämien sind oft so ausgelegt, dass sich bei einer frühen Entscheidung das reguläre Gehalt in die Abfindung umwandelt. D.h. wir sind weiter unten in der Steuerkurve und mehr Masse geht in die 1/5-Regelung.
Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Einkommen zu reduzieren (z.B. Vorauszahlung Krankenversicherungsbeiträge, Einzahlung in Basisrente/gesetzliche Rentenversicherung, Investitionen in die Selbstständigkeit oder Nutzung Investitionsabzugsbetrag oder ...). Aber Vorsicht: nicht von der Steuermöhre blenden lassen. Das muss auch ohne den steuerlichen Effekt Sinn machen.